PRAXIS
KI frisst Software: Was der SAP-Absturz für Ihr Ingenieurbüro bedeutet
SAP verlor 30 Milliarden Euro Börsenwert an einem einzigen Tag — wegen eines einzigen Prozentpunkts. Was das mit PlanRadar, Nemetschek und Ihrer Baudokumentation zu tun hat.
Von Friedrich Howanietz · 17. März 2026 · 6 Min. Lesezeit
Im Januar 2025 lieferte SAP ein Geschäftsjahr mit 36,8 Milliarden Euro Umsatz. Das Cloudgeschäft wuchs um 25 Prozent — erwartet worden waren 26 Prozent. Ein Prozentpunkt Abweichung.
Das Ergebnis: 30 Milliarden Euro Börsenwert verloren — an einem einzigen Tag.
Nicht wegen eines Skandals. Nicht wegen eines Gewinneinbruchs. Sondern weil die Investoren eine neue Frage stellen: Haben klassische Softwarekonzerne im Zeitalter von KI überhaupt noch dieselbe Zukunft?
(SAP SE Quartalsbericht Q4/2024; Reuters, Bloomberg)
Was hinter dem Absturz steckt
Im Silicon Valley kursiert seit Anfang 2025 eine radikale These: KI verbessert Software nicht nur — sie könnte sie ersetzen.
Wenn KI-Agenten selbst Daten auswerten, Bestellungen auslösen, Prozesse steuern und Entscheidungen vorbereiten — wozu braucht es dann noch klassische Programme mit ihren Masken und Workflows?
Der Fachbegriff: Fast Fashion Software. Software, die von KI in Sekunden generiert wird und genauso schnell wieder verschwindet.
Was das für die Baubranche bedeutet
Die Nemetschek Group — Europas führender Softwareanbieter für Architektur und Bau mit 1,19 Milliarden Euro Umsatz 2025 — hat ihre KI-Strategie bereits vorgestellt: agentische KI-Systeme, intelligente Automatisierung, KI-Funktionen für Planung, Bau und Betrieb.
„Künstliche Intelligenz markiert einen grundlegenden Wandel für die Bau- und Immobilienbranche."
Yves Padrines, CEO Nemetschek Group, digitalBAU 2026
PlanRadar hat 2024 KI-Funktionen angekündigt. Procore integriert KI in Dokumentenkontrolle und Analyse. Die Tools der nächsten Generation werden nicht mehr passiv sein. Sie werden Daten aktiv auswerten und Handlungen vorschlagen.
Aber — und das ist der entscheidende Punkt — diese Agenten können nur dort arbeiten, wo strukturierte Daten und definierte Prozesse existieren.
Die Gegenwette: Daten schlagen Modelle
SAP setzt auf eine Gegenthese zu seiner eigenen Bedrohung: Modelle werden mit der Zeit austauschbar. Heute ist OpenAI vorne, morgen Anthropic. Wirklich entscheidend ist, wer die strukturierten Geschäftsdaten hat.
McKinsey bestätigt: Jedes vierte leistungsstarke Unternehmen räumt ein, dass ihm die notwendige Datenbasis fehlt, um KI sicher und zuverlässig zu skalieren. Der größte strategische Engpass ist nicht das Modell. Es sind die Daten.
(McKinsey, Global Tech Agenda 2026)
Die konkrete Frage für Ihr Büro
Sind meine Prozesse so strukturiert, dass ein KI-Agent damit arbeiten könnte?
Mängeldokumentation: Sind Mängel in einem System erfasst das Foto, Ort, Zuständigkeit, Frist und Status enthält — oder in Notizbüchern und WhatsApp-Gruppen?
Bautagebuch: Gibt es eine digitale, revisionssichere Dokumentation mit Zeitstempel — oder wird am Abend aus dem Gedächtnis rekonstruiert?
Nachtragsmanagement: Gibt es einen definierten Prozess von der Leistungsänderung über die Dokumentation bis zur Rechnungsstellung?
Prüfroutinen: Gibt es Checklisten, die vor Planabgabe durchlaufen werden?
Jede Frage die mit „Nein" beantwortet wird, ist ein Bereich in dem KI nicht helfen kann. 82 Prozent der Bauunternehmen nennen fehlendes Know-how als Hauptproblem bei der Digitalisierung.
(PwC-Studie 2025)
Die Technologie zur Lösung existiert. Die Umsetzung scheitert nicht an der Technik — sondern an fehlenden Prozessen, fehlender Einrichtung und fehlender Begleitung.
Wer jetzt das Fundament legt, kann die KI-Agenten nutzen, die in den nächsten Monaten in jede Planungssoftware eingebaut werden. Wer wartet, fängt dann von vorne an.
→ Oder direkt: +49 176 434 68321